Philosophie

Meine Hauptaufgabe sehe ich häufig in der Rolle einer Dolmetscherin zwischen einem Pferd und seinem Menschen. Etliche Probleme entstehen vielfach aus Missverständnissen oder falschen Interpretationen…

Pferde sind für viele Leute sehr edle und intelligente Tiere, und doch erwarten manche Menschen Kenntnisse in mehreren Fremdsprachen von ihren Pferden, ohne dass ihnen diese Problematik bewusst ist. Manchmal reagieren sie ungeduldig oder sogar ungehalten, wenn das Pferd mal wieder nicht folgen will… Sie werden lauter und lauter… Und trotz aller Bemühungen keine «Einsicht» beim Pferd… So ensteht Frust, meist auf beiden Seiten…

Pferde «sprechen» mit uns in ihrer (Körper-) Sprache und es führt kein Weg dran vorbei, dass wir uns mit ihrer Kommunikationsart auseinandersetzen, um wirklich zu verstehen und verstanden zu werden. Härte und Kraft sind Begleiter der Mittelmässigen, die nicht authentisch und klar sein können oder wollen. Es ist still in einer Herde, sonst würde sich die Herde verraten, und die Kommunikation klappt trotzdem perfekt. Ein Blick, ein Ohr, ein Kauen oder Lecken, vielleicht wird ein Kopf gesenkt, ein Schweif zuckt und alles ist «gesagt»… Wieso lassen wir uns nicht ein auf diese leise perfekte Sprache mit einem Lebewesen von so hoher Sensibilität… Trainieren wir unsere Sinne, Aufmerksamkeit, Energien, Ausstrahlung und kommunizieren mit unseren Pferden in ihrer Sprache… Erst wenn eine Kommunikation klappt, gibt es eine gute, vertrauensvolle Zusammenarbeit mit gegenseitigem Respekt. Das fängt am Boden an und setzt sich beim Reiten fort…

Pferde sind wahre Meister im Lesen unserer Körpersprache, in der wir unsere Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen ausdrücken, teilweise unbewusst. Sie durchschauen uns sofort, wenn wir nicht authentisch, sicher, wahr und präsent sind…

Pferde suchen natürliche «Leader» und wenn sie diese Führung nicht finden, werden sie versuchen, den Rang des «Alpha» selbst zu erlangen. Deshalb ist es so wichtig, dem Pferd zu vermitteln, dass wir so sanft wie möglich und so bestimmt wie nötig auftreten, um verstanden zu werden in unserer Führungsposition. Pferde werden uns «kleine Würstchen» nur als «Leader» akzeptieren, wenn unser Auftritt absolut klar, authentisch, sicher und souverän ankommt. Als Führende müssen wir einen klaren Plan haben und gleichzeitig genug Flexibilität, um auf die aktuellen Bedürfnisse unserer Folgenden eingehen zu können. Zu Beginn kann es eine ständige Gratwanderung zwischen zu viel oder zu wenig Kompromiss geben; und beides bringt Probleme…

Behandeln wir das Pferd mit Respekt (Liebe), dem notwendigen Wissen (Verständnis) und nehmen unsere Position als «Leader» (Führung) ein und dies konsequent und freundlich, legen wir den Grundstein für eine wahrhaftige Partnerschaft.